"FEEL Slovenia" - Der Slowenien Podcast
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Wenn Sprache Brücken baut - zwischen Slowenien und Deutschland mit Slavo Šerc
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Manche Menschen reisen durch die Welt – und andere bauen Brücken aus Worten.
Wer die deutsche und die slowenische Kultur miteinander verbindet, braucht mehr als nur ein Wörterbuch.
Er braucht Feingefühl, Neugier und die Überzeugung, dass Literatur das schönste Fenster zur Welt ist.
Genau so ein Brückenbauer ist unser Gast in dieser Episode: Slavo Šerc, literarischer Übersetzer und Lehrbeauftragter, der seit über vier Jahrzehnten zwischen Regensburg, Landshut und seiner slowenischen Heimat Maribor lebt.
In diesem Gespräch nimmt er uns mit auf eine Reise hinter die Kulissen der Sprache. Er räumt mit hartnäckigen Vorurteilen auf (Nein, Slowenien ist nicht nur ein schmaler Streifen auf dem Weg ans kroatische Meer!), zeigt uns die "unterkellerten" Schätze des Karsts und erklärt, warum Geduld manchmal die wichtigste Tugend im Leben ist.
Erfahren Sie, warum ein kleiner Staat eine große diplomatische Rolle spielen kann, welche Romane sein Leben prägten und warum zwei Herzen in einer Brust zu haben das größte Geschenk sein kann. Ein inspirierender Blick auf Identität, Kultur und die unsichtbaren Fäden, die uns verbinden.
Und noch eine kleine Überraschung:
Apropos Geschenke – hier kommt das kleine Stückchen Slowenien, das ich Ihnen zu Beginn versprochen habe! Vierzig Jahre Leben in Deutschland und das Herz in Slowenien erinnern uns daran, wie schön es ist, neue Orte zu entdecken.
Schicken Sie uns deshalb die Antwort auf die Frage: In welcher slowenischen Stadt wurde unser Gast Slavo Šerc geboren?
Senden Sie uns die Antwort an unsere E-Mail-Adresse slowenien.de@slovenia.info, und mit ein bisschen Glück finden Sie bald etwas Schönes und Leckeres aus Slowenien in Ihrem Briefkasten.
Wir hören uns! / Na slišanje
Feel Slovenia Podcast wird für Sie von der Slowenische Tourismuszentrale gebracht und von Sabrina Lang oder Sabrina Gander geführt.
Produktion: Radio Tourism & Radio Embassy & ST Elmos
Weitere inspirierende Inhalte finden Sie unter www.slovenia.info und Social Media Kanäle : Instagram, Facebook, YouTube, Twitter, Pinterest, LinkedIn und Tripadvisor.
SEASON 4 EPISODE 3: Wenn Sprache Brücken baut - zwischen Slowenien und Deutschland mit Slavo Šerc
Slavo
Hallo, ich heiße Slavo Šerc, ich bin Lehrbeauftragter für Slowenisch an der Uni in Regensburg und literarischer Übersetzer. Nebenbei übersetze ich auch Fachtexte und in Slowenien habe ich Slowenische Sprache mit Literatur und vergleichende Literaturgeschichte studiert und dann über deutsche Literatur geschrieben in den Zeitungen und mittlerweile habe ich auch drei Bücher, essayistische Bücher, über deutsche Literatur veröffentlicht.
Sabrina
Slavo, Sie sind jetzt seit über 40 Jahren in Deutschland. Durch Ihre Arbeit haben Sie Slowenien immer irgendwie ja vermittelt oder getragen und natürlich sind Sie im Land verwurzelt, Sie sind in Maribor geboren. Doch so eine lange Zeit in einem anderen Land, also dass Sie jetzt in Deutschland eben so lange sind, das prägt ja. Wann haben Sie zum ersten Mal gespürt, dass Sie zwischen zwei Welten leben und nicht mehr nur in einer?
Slavo
Ja, eigentlich habe ich das sehr früh schon gespürt, weil ich studiert habe in Hamburg und ich sollte zurück nach Slowenien an die Uni und dann war es so, dass ich gedacht habe, dass diese meine freiwillige Immigration muss sich irgendwo auch sinnvoll gestalten und deswegen habe ich dann über deutsche Literatur geschrieben in den Zeitungen und ab und zu was Kleines übersetzt, auch die Literaturzeitschriften und so habe ich dann sehr früh schon diese Vermittlerrolle dann praktisch wahrgenommen.
Sabrina
Und fühlen Sie sich heute eher als Slowene in Deutschland oder als Europäer der Slowenien in sich trägt?
Slavo
Ja, eigentlich ist das der richtige Ausdruck, das ist der Slowene, der praktisch in Europa lebt auch. Ich bin auch sehr, in meiner längeren Zeit auch in Italien immer, weil ich dort übersetze, am besten so zwei Monate im Jahr und dann ist das für mich Europa auch Slowenien, Deutschland, Italien oder auch andere Länder, weil ich reise auch sehr, sehr gerne.
Sabrina
Also der Europäer, der sozusagen allen vermittelt, wie schön Slowenien auch ist. Was vermissen Sie denn am meisten von Ihrem Heimatland?
Slavo
Ja, also es ist so, dass ich am Anfang habe ich mein Essen vermisst zum Beispiel, ich musste immer irgendwelche Sachen mitnehmen und jetzt, ich vermisse einfach meine Freunde und deswegen bin ich auch sehr froh, wenn wir uns dann immer wieder treffen in Slowenien.
Sabrina
Und gibt es auch was, was Sie hier in Deutschland nicht mehr missen möchten, wenn Sie dann tatsächlich auch in Slowenien sind, Freunde besuchen, gibt es was, wo Sie sagen, in Deutschland machen wir das aber so oder so?
Slavo
Ich kann allgemein sagen, dass ich zum Beispiel, ich würde die deutsche Literatur und Kultur vermissen, also mit der ich tagtäglich lebe, also die werde ich vermissen und vor allem immer wieder Suche nach den neuen Autoren, nach den neuen Titeln.
Sabrina
Das heißt, es ist dann schon sehr auch mit Ihrer Arbeit verknüpft, das was Sie vermissen?
Slavo
Ja, genau, weil ich muss sagen, meine Arbeit ist praktisch mein Hobby und das ist praktisch ein Teil meines alltäglichen Lebens praktisch und das lebt immer wieder mit mir.
Sabrina
Ihre Identität einfach, kann man sagen.
Slavo
Genau, das ist meine Identität.
Sabrina
Ja, Sie gelten ja als einer der wichtigsten Vermittler zwischen dem deutschsprachigen und dem slowenischen Kulturraum, Sie haben sie ja am Anfang auch selber so bezeichnet. Welche Missverständnisse haben denn Deutsche Ihrer Meinung nach immer noch, wenn es um Slowenien geht?
Slavo
Ja, das ist sehr interessant, zum Beispiel als ich, ich war auch hier tätig in München an der LMU, da habe ich Lehrertrag für Slowenisch gehabt und das war praktisch noch in der Zeit, wo es noch Jugoslawien gab und dann auf einmal ist Slowenien selbstständiger geworden und dann haben sich Leute gewundert, dass es auch eine andere Sprache ist und nicht serbokroatisch oder jugoslawisch, wie die das genannt haben und mit Missverständnissen, ja, also jetzt wird slowenische Sprache schon wahrgenommen, aber immer wieder gibt es auch Verwechslungen, zum Beispiel Slowenien, Slowakei und so weiter, ja, also auch die Fahnen sind so ähnlich und so weiter und die Sprachen auch oder zum Beispiel, dass man Leute denken, ja, Slowenien war ein Teil von Jugoslawien, vom Balkan, also es kann ja nicht viel anders sein als Serbien, ja, oder einige denken, ja, das ist so ein bisschen Österreich, ja, bloß mit einer anderen Sprache oder zum Beispiel, dass man denkt, dass Slowenien keine eigene Identität hat, ja, oder dass es nur Berge gibt in Slowenien, dass es kein Mediterranen, kein Meer und so weiter gibt, das sind so die häufigsten Missverständnisse, die ich wahrnehme oder so.
Sabrina
Also da wird ja dann eigentlich Slowenien unterschätzt.
Slavo
Eigentlich schon, eigentlich schon, ja. Ich sage immer so ein bisschen im Spaß, ja, Slowenien ist klein, ist klein, aber das ist ja nur ein Schein, praktisch ist ja doppelt so groß, ich sage, Slowenien ist voll unterkellert, sozusagen, im Süden gibt es Weinkeller oder im Norden Weinkeller, das oder Maribor und die ganzen, und im Süden gibt es ja die Höhlen, ja, praktisch Karst gebiet, praktisch, dann ist ja in Höhlen, in Slowenien gibt es ja 500 Höhlen oder so weiter, ja, die größte ist ja die Postojnska Jama, das ist ja die größte in Europa oder so was, eine der größten überhaupt, ja. Also Sie haben schon recht, Slowenien wird ein bisschen unterschätzt, normalerweise fährt man durch Slowenien nach Kroatien ans Meer, aber es gibt so viele schöne Ecken in Slowenien, wo es sich lohnt, ein bisschen so wie Toskana zu entdecken oder zum Beispiel auch Provence oder so was im Karst gebiet oder den schönen Fluss Soča, der sehr bedeutend war auch im Ersten Weltkrieg und auch die ganzen schönen Ortschaften, die da sind, ja, an der Grenze zu Italien und natürlich das Essen und die guten Weine auch.
Sabrina
Haben Sie ein Lieblingsgebiet, wenn Sie in Slowenien Urlaub machen?
Slavo
Ja, also, wenn ich in Slowenien bin, dann bin ich am liebsten irgendwo so im Karst gebiet, ja, so um Tomaj, Štanjel, in dieser Gegend, sehr gerne auch, zum Beispiel auch da, wo ich geboren wurde, Prekmurje, da habe ich auch mal Urlaub gemacht, das ist auch schön, aber am attraktivsten für mich und wo ich mich am wohlsten fühle, ist auch zum Beispiel die Gegend um Bohinj oder die Berge da an Nova Gorica da und Medana und so, das sind sehr schöne, schöne, da ist eine sehr schöne Gegend, wo man sehr schön Urlaub machen kann.
Sabrina
Was besitzen die Slowenien, dessen Wert Ihnen vielleicht selbst oft nicht so bewusst ist?
Slavo
Also die Slowenien zum Beispiel sind, ich glaube, sehr pragmatisch, ja, das ist dieses Pragmatismus, also wir wollen nicht, wenn ich sage Slowenien, nicht perfekt sein, aber irgendwo pragmatisch sein und das ist das, was uns auch geprägt hat und wir haben das vielleicht auch ein bisschen, das irgendwie so vom Ball kam, auch ein bisschen mitgenommen oder sich das abgeschaut, wie aus die Sachen auch manchmal, wenn es nicht alles perfekt ist, wo man das Beste draus machen kann und irgendwie ein Pragmatismus besteht.
Sabrina
Gibt es noch andere Eigenschaften, die vielleicht auch die Deutschen inspirieren könnte, die Slowenien mitbringen?
Slavo
Ja, das ist zum Beispiel, ja sage ich mal, vielleicht ist Geduld auch so eine seiner Gegenden, also für Deutsche könnte ich nicht jetzt sagen, dass die sehr geduldig sind, die wollen auch alles, dass es alles passiert, also so schnell wie möglich und vielleicht ist diese Geduld ist das, was man sich so ein bisschen abschrauben könnte.
Sabrina
Jetzt hatten wir es ja über Missverständnisse, die Deutsche über Slowenien haben, wenn man das Ganze mal umdreht, was gibt es denn für Missverständnisse bei Slowenien über Deutsche?
Slavo
Ja, also jeder in Slowenien denkt, dass Deutschland ein perfektes Land ist, wo es alles funktioniert und so weiter, mittlerweile oder jetzt, also ist natürlich nicht so, man muss auch bei den Ämtern lange warten, ich erfahre das immer wieder, auch wenn ich was brauche oder zum Beispiel, dass viele denken, dass ja Deutschland nur aus der Autoindustrie besteht oder dass es nur Autobahnen gibt und so weiter oder dass es zum Beispiel, dass es Deutschland ein einheitliches Kulturland ist und dass es keine Unterschiede gibt, aber es gibt sehr wohl große Unterschiede, wenn wir zum Beispiel Bayern nehmen oder dann Hamburg oder Sachsen oder die anderen Länder, die sich sehr, sehr, sehr unterscheiden, auch nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell und es gibt diese Vielfalt, die gefällt mir auch in Deutschland.
Sabrina
Nachdem Sie ja viel mit Sprache zu tun haben, wo der Sprache ja eigentlich Ihr zentrales Arbeitsmittel ist, hätte mich interessiert, was Sie sagen würden, welches Sprichwort den Deutschen oder die Deutsche und welches Sprichwort den Slowenen oder die Slowenen am besten beschreibt?
Slavo
Ja, also ich bin immer so mit einem Sprichwort aufgewachsen, also was mit Bezug auf Deutschland, das war zum Beispiel, Ordnung muss sein und so weiter, das ist so ein typisches Sprichwort, was jetzt einmal für Deutschland sehr gut stehen würde oder wo man sagt, ja, das ist jetzt Deutschland. Für Slowenien, also da fallen mir vielleicht zwei, drei oder noch mehr, also einer wäre zum Beispiel, wir sagen, langsam kommt man sehr weit, das ist so mit dieser Nachhaltigkeit, mit so ein bisschen, mit Geduld, ja, wenn wir zum Beispiel auf unsere Geschichte zurückblicken, wie lange hat das gedauert, dass Slowenien dann selbstständig wurde und eigener Staat war, also praktisch, ja, sagen wir mal, über tausend Jahre hat man also gewartet auf den eigenen Staat, obwohl man also als die Slowenen da nach Kalantanien gewandert sind, gab es schon sowas, aber das war nur rudimentär. Also das ist so ein Sprichwort.
Sabrina
Also so gut Ding will Weile haben, könnte man im Deutschen sagen.
Slavo
Ja, genau, oder Eile mit Weile, aber das ist so eine Variante, das wäre noch ein anderes Sprichwort, praktisch, also diese Geduld ist da drinnen, also praktisch auch, was sehr wichtig ist.
Sabrina
Wenn wir jetzt mal auf Deutschland blicken, Sie haben durch Ihr Leben in Deutschland Jahrzehnte des Landes beobachten können, miterleben können, Mauerfall, Wiedervereinigung, dann die hohe Arbeitslosigkeit, dann hatten wir eine starke Wirtschaft Mitte der 2000er Jahre. Ja gut, dann kam für die ganze Welt die Corona-Pandemie auch, was so ein Einschlag war für uns. Und ich glaube, unser Land schwächelt so ein bisschen und hat mit vielen weiteren Themen zu kämpfen. Welche Veränderungen über all diese Jahrzehnte hat Sie denn am meisten überrascht?
Slavo
Also am meisten hat mich überrascht jetzt, wie stark die AfD geworden ist. Als ich nach Deutschland kam, waren für mich vor allem die Sozialdemokraten sehr prägend. Also Helmut Schmidt, ich habe ihn sehr gerne gehört, das war ein weiser Mann, oder Willy Brandt vorher und so weiter. Und dann kam die Wiedervereinigung mit Helmut Kohl und freiheitlich mit Genscher. Und das waren meine Parteien, die ich mit Deutschland verwundert. Und jetzt natürlich hat sich die Landschaft total verändert. Das hat mich am meisten jetzt auch überrascht, dass es so weit gekommen ist.
Sabrina
Wo sehen Sie denn die Stärken, die Deutschland heute hat, auf die wir vielleicht bauen sollten und können?
Slavo
Also die Stärke von Deutschland, was mir sofort aufgefallen ist, als ich nach Deutschland kam, war dieses duale System und diese starke mittlere Unternehmen. Oder zum Beispiel auch die Fachkräfte, gut ausgebildete Fachkräfte, die es jetzt immer weniger gibt. Die demografische Lage ist natürlich ungünstig und es fehlt an allen Ecken und Enden. Und natürlich auch in den letzten Jahren, wo die deutsche Wirtschaft schwächelt, wie schnell sich praktisch Europa oder Deutschland auch von Verbrennermotoren verabschiedet hat. Und Deutschland ist ein Synonym für Verbrennermotoren. Und jetzt ist natürlich ein Konkurrenzkampf mit China, den man kaum gewinnen kann mit den Elektroautos. Weil dort viel günstiger produziert wird. Aber das ist diese Stärke, dieses duale System, gut ausgebildete, gute Möglichkeit, also praktisch gute Leute auszubilden und dann den Mittelstand zu stärken. Das ist das, was Deutschland stark macht. Und ich glaube, das ist auch eine Chance, dass Deutschland auch dann aus der Krise rauskommt.
Sabrina
Sie hatten gerade eben auch Europa erwähnt. Das ist auch etwas, wo Ihr Interesse liegt. Sie beobachten die Entwicklungen im europäischen Raum seit Jahrzehnten. Was hat sich da zum Guten entwickelt? Oft werden ja so die Probleme thematisiert. Was sehen Sie denn als besonders gut an in Europa?
Slavo
Ja, natürlich ist es schön, dass es keine Grenzen gibt, dass es einen europäischen Wirtschaftsraum gibt und dass es auch praktisch eine Währung ist, dass man nicht alle 100 Kilometer andere Währungen hat. Und das ist natürlich eine Stärke von Europa. Und ich glaube auch, dass die kleinen Länder auch dazu beitragen können, dass Europa stark wird. Die gefährden niemanden, sage ich mal so. Und die können eine sehr wichtige diplomatische Rolle spielen. Zum Beispiel Slowenien kann auch eine sehr wichtige Rolle jetzt bei den Ländern des Westbalkans spielen, weil wir kennen ja praktisch dieses Gebiet sehr gut. Und wir haben auch viel Vertrauen in Slowenien. Und da kann man bestimmt eine große Rolle spielen. Und im Übrigen ist es auch so, dass diese kleinen Länder, die haben immer so ein bisschen auch eine Brückenrolle zwischen den Großen, sage ich mal Frankreich oder so, weil die sind immer zwischen den Kulturen irgendwie. Wenn wir Luxemburg nehmen zwischen dem germanischen und frankophonischen Raum oder zum Beispiel jetzt Slowenien zwischen dem germanischen und slawischen Raum, die prägen auch Europa als dieses multikulturelle Gebilde.
Sabrina
Kommen wir noch mal ein bisschen zu Ihrem Schaffen. Sie haben ja zahlreiche Bücher bedeutender deutschsprachiger Autorinnen und Autoren in Slowenische übersetzt. Was ist da dabei gewesen, was so die meisten von uns vielleicht kennen könnten, schon mal gehört haben?
Slavo
Ja, also da bin ich sehr stolz drauf, dass ich als erster zwei Nobelpreisträgerin in Slowenisch übersetzt habe vor dem Nobelpreis. Das war einmal Elfriede Jelinek und Hertha Müller. Und Elfriede Jelinek ist auch jetzt mit diesem, obwohl dieses Buch, ich habe die Liebhaberin zuerst übersetzt und dann die Lust, auch jetzt auch sehr, sehr noch aktuell ist als Autorin, auch mit diesem Buch. So hat man vor zwei Jahren auch beim Slowenischen Theater, hat man aufgrund meiner Übersetzung, hat man ein Theaterspiel gemacht. Also ist praktisch wieder, obwohl die Übersetzung ist 1996 erschienen. Das war meine erste Übersetzung in Buchform. Und wie gesagt, die ist sehr aktuell und vor allem für, sagen wir mal, emanzipierte Frauen oder die Frauen, die verstehen wollen, wie diese Emanzipation damals in den 70er Jahren war. Ja, da alles umherum. Ich würde sagen, man sollte so viel wie möglich lesen und da ist es egal. Man sollte versuchen, auch ein bisschen aus jedem Land die Klassiker zu nehmen. Also ich bin immer wieder erschrocken, wenn ich zum Beispiel eine Studentin, die französische Literatur studiert und ich weiß nicht, wer Albert Camus ist oder zum Beispiel L'Autranger. Und dann sage ich, ja, das musst du unbedingt lesen. Und dann sage ich allen anderen, das ist sehr wichtig auch. Damit ist auch die ganze Studentenbewegung verbunden. Zum Beispiel viele Akteure der Studentenbewegung waren auch mit Philosophie von Albert Camus vertraut und haben ihn also damals vergöttert, sozusagen schon fast. Also viel, viel lesen, also auch nicht nur jetzt deutsche Literatur, sondern man versucht auch in den anderen. Es gibt ja in allen Sprachen, also Übersetzungen von allen, allen Sprachen. Auch mal Lateinamerika oder sowas, das ist so ein Fenster zur Welt, die Literatur. Und manchmal ist es auch wichtig, dass man leichter überleben kann, wenn man sich mit Literatur beschäftigt.
Sabrina
Gibt es da ein Buch, zu dem Sie immer wieder zurückkehren, das Ihnen vielleicht auch so ein bisschen beim Überleben hilft?
Slavo
Ja, also ich zum Beispiel habe ich natürlich sehr gerne Autoren, die ich selber übersetzt habe, die ich selber ausgewählt habe. Und so ein Auto ist zum Beispiel Robert Walser, der Schweizer Klassiker, wahrscheinlich der wichtigste Auto des 20. Jahrhunderts in der Schweiz. Also bedeutender noch als Frisch oder Dürrenmatt. Er hat mich also sehr geprägt mit seinem Stil, wie er schreibt, oder mit seinem Leben, wie er auch damals gelebt hatte. Seine Literatur ist genial, vor allem die kürzeren Sachen, nicht nur die Romane, drei Romane, die er geschrieben hat, sondern der Spaziergang, das ist so ein Werk, wo man anfangen sollte bei ihm und dann auch Kurzprosa. Und natürlich sind auch die Geschwister Tanner oder der Gefühl für uns und die Romane auch sehr wichtig bei ihm.
Sabrina
Wenn Sie jetzt so einen Roman übersetzen, was geht da vielleicht bei Übersetzungen immer ein bisschen verloren und was kann sogar gewonnen werden?
Slavo
Ja, also es ist so, dass man immer wieder irgendwelche Wortspiele verliert. Aber ich habe gedacht, du hast die Möglichkeit, irgendwo an einer anderen Stelle auch so ein Wortspiel einzubauen, sodass man versucht, dass wenig, wenig verloren geht. Übrigens ist ja eine der Definitionen der Lyrik, was ist Poesie, ist das, Poesie ist das, was beim Übersetzen verloren geht. Natürlich ist es so, dass ich will, dass es sehr wenig verloren geht, dass es natürlich bleibt, also praktisch, dass man Original spürt und natürlich, dass sich das alles so schön liest, dass es nicht holprig ist und dass man nicht jetzt aneckt, dass man sagt, so sagen würden wir, aber nicht sagen oder so, sondern dass das richtig fließend und schön ist. Das ist meine ideale Übersetzung praktisch, dass man im Hintergrund ein bisschen Original spürt und dass in der Übersetzungssprache alles so fließend ist.
Sabrina
Da haben Sie ja dann schon eine gewisse Verantwortung auch für beide Sprachen, sage ich mal.
Slavo
Und zu dem Autor natürlich auch.
Sabrina
Dem Autor gegenüber, genau.
Slavo
Das ist sehr wichtig, dass der Übersetzer auch gewisse Verantwortung hat für das, was er schreibt. Es gab ja schon ganz schlimme Sachen, da will ich jetzt nicht darüber reden, wo man praktisch gedacht hat, der Autor kann ja nicht so blöd sein, wenn er sowas geschrieben hat. Aber eine Verantwortung ist immer da bei dem Übersetzen.
Sabrina
Wenn Sie jetzt auf Ihre 40 Jahre zwischen Deutschland und Sowenien zurückblicken, was war das größte Geschenk dieses Lebens zwischen zwei Kulturen?
Slavo
Also das größte Geschenk für mich war, dass ich die deutsche Literatur vermitteln konnte oder dass ich diese deutsche Literatur sehr, sehr, sehr intensiv erlebt habe durch meine Übersetzungen und dass ich die auch irgendwo präsentieren konnte. Auch zum Beispiel einen Autor, der sehr schwierig ist, der das erste Mal übersetzt wurde, Arno Schmidt zum Beispiel, der ist praktisch nur für Kenner der Literatur oder für die Autoren interessant gewesen. Und dass ich die Möglichkeit hatte, auch solche Sachen durch... Natürlich ist es in Slowenien, jedes Buch ist ein Verlustgeschäft. Man muss da auch natürlich eine Subvention bekommen oder dass jemand das bezahlt. Und Arno Schmidt hatte zum Beispiel Philipp Reemsma, der Mäzen bezahlt, der auch diese Stiftung gegründet hat. Er war ein Bewunderer von Arno Schmidt und hat ihm auch, seit damals, wo er geerbt hat, die Tabakfabrik sozusagen, hat ihm auch gesagt, du bist mein Nobelpreisträger und hat ihm in einer, glaube ich, das war anekdotisch, in so einer Plastiktüte, hat ihn da so in 160.000 D-Mark damals so hingebracht und dass er da weiterschreiben konnte, weil er war ja praktisch in einer prekären Lage. Also solche Sachen sind für mich wichtig und das ist so ein Geschenk, dass ich die ganzen Autoren... Also es sind ja vielleicht sehr viele Autoren. Also in drei Ontologien sind ja schon sehr viele. Also ich glaube, es sind über 100 oder 150 Autoren. Ich weiß es selber nicht an so ungefähr 50 Bücher und drei Ontologien. Und dass ich diese wichtigen Namen auch nach Slowenien gebracht habe.
Sabrina
Das ist das größte Geschenk für Sie.
Slavo
Ja, wenn man das auch in der Hand hat, das ist dann was, was man Freude daran hat.
Sabrina
Wenn Sie heute in einem Zug säßen zwischen Ljubljana und München und da wäre neben Ihnen jemand, der noch nie von Slowenien gehört hätte, was würden Sie ihm erzählen über Ihr Heimatland?
Slavo
Ich würde ihm natürlich sagen, Slowenien ist ein kleines Land, sehr vielfältiges Land und du brauchst keine Angst haben, wenn du nach Slowenien kommst. Also jeder spricht Deutsch oder Englisch oder sowas, dass man natürlich keine Angst hat, dass man sich dann beständigen könnte und so weiter. Und dass man dort richtig tolle Natur erleben kann und auch wirklich sehr, sehr tolle Menschen, sehr, sehr freundliche Menschen und die auch mit dieser Natur auch immer wieder eng zusammenleben irgendwo. Ja, weil die Slowenien, die gehen immer irgendwo auch am Wochenende in die Natur oder zum Beispiel die sammeln Pilze oder die sind Fischer oder sowas. Es ist immer, ist Natur sehr wichtig da in Slowenien.
Sabrina
Da ist ja auch das Thema Nachhaltigkeit, was ganz groß geschrieben wird, um eben diesen Einklang mit der Natur auch zu bewahren, also Mensch und Natur.
Slavo
Ja, natürlich. Das ist auch, ich glaube es gibt so eine Aktion, machen wir Slowenien sauber oder so und dann sind alle unterwegs und sammeln irgendwo Müll und so weiter oder zum Beispiel Ljubljana sagt, dass das die sauberste Stadt in Europa ist und so weiter. Man sieht das auch oder wenn wir die Mülltrennung dort sehen, auch in der Stadt und so, das ist schon sehr, sehr beeindruckend.
Sabrina
Wir fragen jeden Gast, der zu uns in den Podcast kommt, wenn er Slowenien auf einer großen Werbetafel bewerben könnte, mit acht Wörtern. Welche würden Sie auswählen für dieses Land, um den Leuten auf der Werbetafel klar zu machen, da müssen sie hin?
Slavo
Also für mich hat Slowenien eine tolle Natur. Ich mag Wasser, deswegen werde ich Wasser und Flüsse nehmen. Ich werde zum Beispiel wegen des guten Essens, werde ich Kulinarik und gute Weine erwähnen und dann natürlich Slowenien hat tolle Sportler, Sport und Slowenien hat sehr freundliche, zuvorkommende und hilfsbereite Menschen.