"FEEL Slovenia" - Der Slowenien Podcast

Zwischen Cello, Heimatgefühl und grünen Wegen: Der renommierte Cellist Jaka Stadler auf musikalischer Reise durch Slowenien

Feel Slovenia Season 7 Episode 2

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Ist Ihnen schon einmal ein Mensch begegnet, der Sie mit seiner Hingabe und seiner Musik sofort in seinen Bann zieht?

Jemand, der uns zeigt, wie eng Kultur, Natur und das Gefühl von Heimat miteinander verknüpft sind?

Genau so ging es uns nach unserem Gespräch mit dem Cellisten Jaka Stadler.

Für diese Episode treffen wir den Musiker des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks in München. Seit fast 20 Jahren lebt der gebürtige Ljubljančan in Deutschland, doch sein Herz schlägt nach wie vor für die grüne Natur, die Flüsse und die musikalische Vielfalt Sloweniens.

 Im Gespräch verrät uns Jaka, wo man in Slowenien klassische Musik auf höchstem Niveau erleben kann, warum fast jedes slowenische Dorf eine Musikschule hat und wie eine ganz besondere Blaskapellenkultur Menschen über Grenzen hinweg verbindet. Außerdem nimmt er uns mit zu seinen liebsten Radtouren abseits der Touristenpfade, teilt seine Geheimtipps für den perfekten Familienurlaub und verrät uns, wo die besten Weine zu finden sind.

Diese Folge erzählt von der Kraft der Musik, von den leisen Klängen der Natur und von einem Land, das trotz seiner Größe eine unfassbare musikalische Elite hervorbringt. Ein Gespräch, das inspiriert und Lust auf eine musikalische Entdeckungsreise macht.

 

Und noch eine kleine Überraschung:

Apropos Musik und Genuss – lecker ist auch das kleine Stückchen Slowenien, das ich Ihnen zu Beginn versprochen habe! Schicken Sie uns die Antwort auf die Frage: Welches Instrument spielt unser Gast Jaka Stadler im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks? an unsere E-Mail-Adresse slowenien.de@slovenia.info. Und mit ein bisschen Glück finden Sie von uns bald etwas Schönes und Leckeres aus Slowenien in Ihrem Briefkasten.

 Wir hören uns! / Na slišanje

Feel Slovenia Podcast wird  für Sie von der Slowenische Tourismuszentrale  gebracht und  von Sabrina Lang oder Sabrina Gander geführt.

Produktion:
Radio Tourism & Radio Embassy & ST Elmos 

Weitere inspirierende Inhalte finden Sie unter www.slovenia.info  und Social Media Kanäle : Instagram, Facebook, YouTube, Twitter, Pinterest, LinkedIn und Tripadvisor.

Zwischen Konzertsaal und Karst - Slowenien mit
den Augen des Musikers Jaka Stadler
[Jaka Stadler]
Hallo, ich heiße Jaka Stadler, ich komme aus Slowenien. Ich spiele Cello beim
Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks und lebe in München schon seit fast
20 Jahren.
[Sabrina]
Jaka, du bist in Ljubljana geboren. Man kann sagen, dir wurde das Cellospielen
in die Wiege gelegt, weil du hast mit sieben Jahren schon angefangen, dieses
Instrument zu spielen. Mit 15 hat man dir gesagt, du bist ein Ausnahmetalent.
Nachdem du wenige Jahre später dann an der Musikakademie Ljubljana
aufgenommen wurdest, ging es auch schon für dich nach Deutschland. Jetzt lebst
du seit vielen, vielen Jahren hier in München, bist auf internationalen
Konzertbühnen zu Hause. Slowenien ist deine Heimat.
Was bedeutet das für dich persönlich, auch wenn du jetzt schon so lange nicht
mehr dort lebst?
[Jaka Stadler]
Ja, das stimmt alles. Slowenien bedeutet mir nach wie vor sehr viel. Ich habe auch
zwei Kinder, die sehr, sehr gerne nach Slowenien fahren.
Zufällig haben die gestern gesagt, dass die gerne da leben würden sogar, und ob
wir nicht da hinziehen. Dann haben wir uns mit meiner Frau so angeguckt und ein
bisschen erklärt, dass es nicht so einfach ist. Wir machen da immer Urlaub.
[Sabrina]
Das heißt aber ja, dass deine Kinder Slowenien auch auf eine ganz besondere
Art und Weise wahrnehmen. Was würdest du sagen, fasziniert die am meisten?
Wie alt sind die?
[Jaka Stadler]
Die sind sechs und neun.
[Sabrina]
Was fasziniert die an dem Land so, dass sie sagen, warum leben wir nicht dort?
[Jaka Stadler]
Eigentlich meine Schwiegereltern. Meine Frau kommt aus dem Südosten von
Slowenien. Wir haben einen Bauernhof.
Das ist alles grün, direkt am Fluss Kirka. Die kennen immer das Grüne. Die haben
viele Cousins da.
Für die ist das immer ein Highlight. Die haben 24 Stunden Spaß. Das vermissen
die in München.
Wir wohnen in München auch relativ zentral. Das Grüne vermissen die. Die
verbinden das auch mit Slowenien.
Da ist halt alles Natur. So stellen sie sich das vor.
[Sabrina]
Alles grün, alles Natur, alles idyllisch. Am Fluss, am Bauernhof.
[Jaka Stadler]
Immer Ferien.
[Sabrina]
Ja gut. Das Leben ist natürlich nicht nur Ferien. Du hattest ja dein
Aufbaustudium bei Vincent Young an der Hochschule für Musik und Theater in
München.
Deswegen auch die letzten 20 Jahre fast in Deutschland verbracht. Was würdest
du denn sagen, nach all den Jahren hier, fühlst du dich eher schon deutsch? Oder
bist du immer noch vollkommen 100% Slowene?
[Jaka Stadler]
Ja, das ist ganz unterschiedlich. Ich fühle mich schon so ein bisschen deutsch.
Weil ich könnte in einem anderen System nicht mehr leben.
Das Steuersystem, das ist hier natürlich in erster Linie ein bisschen kompliziert.
Oder es sieht kompliziert aus, aber das verschafft auch so eine Ordnung im Alltag.
[Sabrina]
Du spielst im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Du hast aber
auch schon Kammermusik intensiv gespielt. Da gibt es ja keinen Dirigenten wie
jetzt bei dem großen Orchester.
Alles basiert so auf das tiefe Aufeinanderhören, blindes Vertrauen,
gegenseitige Anpassung. Wenn wir das jetzt mal als Metapher nehmen, die
Kammermusik. Wie funktioniert das tiefe Aufeinanderhören zwischen
Slowenien und Deutschland?
Wir haben jetzt schon so ein bisschen Unterschiede besprochen. Deutschland
ist so sehr organisiert, sagst du. Wie klappt der Austausch, der interkulturelle
zwischen Slowenien und Deutschland?
Wie harmonisch ist der?
[Jaka Stadler]
Austausch gibt es tatsächlich recht viel, auch mit Blasmusik, mit Chören. Da gibt es
so Partnerstädte, da weiß ich immer wieder, dass aus den Dörfern die Chöre nach
Deutschland reisen oder umgekehrt. Und Blaskapellen, vor allem Blaskapellen,
diese Blaskapellenkultur ist in Slowenien sehr stark.
Und die sind auch hier in Deutschland sehr präsent, in Bayern vor allem.
[Sabrina]
Wenn wir auf die slowenische Natur nochmal zu sprechen kommen, das ist ja
auch so das, was deine Kinder anzieht, die Klänge der Natur. Gibt es da was,
was dich besonders inspiriert für die Musik, so Klänge aus der Natur, aus der
slowenischen?
[Jaka Stadler]
Ich gehe aber tatsächlich gerne in die Berge oder in die Natur allgemein und das
inspiriert mich schon, diese Natur, die Ruhe in der Natur.
[Sabrina]
Und würde dich dann eher so das Rauschen der Soca begeistern oder dann die
Ruhe im Wald?
[Jaka Stadler]
Soca zum Beispiel, das ist schon ein besonderer Fluss. Da habe ich vor Jahren
immer Meisterkurse gegeben im Borwitz und das ist schon ein toller Ort.
[Sabrina]
Gibt es Klänge, die dich sofort zurückversetzen nach Slowenien?
[Jaka Stadler]
Das sind Glockenläuten von den Kindern, das ist schon so.
[Sabrina]
In einem bestimmten Ort?
[Jaka Stadler]
Nee, das nicht.
[Sabrina]
Bist du in Ljubljana geboren?
[Jaka Stadler]
Wir waren immer jedes Wochenende mit der Familie unterwegs in die Natur, aber
so eine starke Bindung zu einem Ort habe ich jetzt in Slowenien nicht. Ljubljana ist
doch eine Stadt.
[Sabrina]
Wenn Slowenien ein Instrument in einem Orchester wäre, was wäre es?
[Jaka Stadler]
Ich habe gedacht Alphorn wahrscheinlich.
[Sabrina]
Aber einfach nur wegen der Berge oder was macht das Alphorn aus, was auch
auf Slowenien passt?
[Jaka Stadler]
Vom Klang her, das erinnert mich so ein bisschen, wenn ich jetzt Alphorn höre, das
ist so ein slowenischer Klang.
[Sabrina]
Ist das so das Traditionelle?
[Jaka Stadler]
Ja, schon, ja.
[Sabrina]
Hast du das Gefühl, dass Slowenien schon ein Land ist, das heute noch von
Tradition geprägt ist?
[Jaka Stadler]
Ich glaube, immer mehr oder immer wieder, ja. Das war inzwischen vielleicht nicht
so stark, aber man versucht diese Tradition wieder ein bisschen zu beleben. Man
hat sich viel abgeguckt, glaube ich, in Bayern mit Trachten und so, wie die Leute
sich auf dem Land anziehen.
Das war in Slowenien noch vor Jahren gar nicht üblich. Ist immer noch nicht, aber
man merkt schon, dass auch die Musik und eben diese Art ein bisschen gepflegt
werden.
[Sabrina]
Ja, es ist ja auch der Trend, glaube ich, also vor allem, wenn man jetzt so nach
Bayern, nach München schaut. Die Tracht in den letzten Jahren ist ja auch
wieder vollkommen im Trend und immer beliebter auch geworden. Auch bei
Leuten, die gar nicht aus der Region kommen.
Kommen wir noch mal zu Slowenien und zur Musik. Slowenien ist ein kleines
Land, es bringt aber erstaunlich viele Spitzenmusiker hervor, die heute in
Europas Eliteorchestern spielen. Du bist beim Symphonieorchester des
Bayerischen Rundfunks.
André Just, Matisse Kuder, Adrash Kolo bei den Berliner Philharmonikern, Blas
Barovets in Köln oder Matthias Bugatteia an dem Münchner Staatsoper. Dann
haben wir noch Tomasz Moczielnik beim Hessischen Rundfunk. Viele, viele
Namen.
Wenn ihr euch alle in Slowenien bei Festivals wie den Slowenischen
Musiktagen oder dem Ljubljana-Festival trefft, dann wirkt es so ein bisschen
wie die Nationalmannschaft des Spitzentalents. Wie blicken denn die deutschen
Kollegen auf die Tatsache, dass Slowenien als so kleines Land so viele
erstklassige Solisten hervorbringt?
[Jaka Stadler]
Ja, das ist interessant. Es kommen auch immer wieder Fragen, wie das zustande
kommt. Ich kenne die Antwort eigentlich nicht wirklich.
Natürlich, bei den Bläser ist es, wie ich schon vorher gesagt habe, die
Blaskapellenleben in Slowenien einfach sehr stark. Die gehen in die Blaskapellen
sehr jung, spielen da, lernen da miteinander. Und dieses Modell, dass bei uns in
Slowenien fast jedes Dorf eine Musikschule hat und die ist umsonst, das bekommt
natürlich auch viel Kritik.
Aber letztendlich hat jeder die Möglichkeit, ein Instrument zu lernen. Und
wahrscheinlich aus dieser Masse kommen dann auch relativ viele Spitzenmusiker
heraus.
[Sabrina]
Weil die einfach früh den Zugang haben, der kostenfrei ist, der einfach das
Angebot bringt.
[Jaka Stadler]
Ja, das ist bei uns wirklich verbreitet. Allein in Ljubljana, wo ich gelernt habe, sind
die alle drei Kilometer eine Musikschule. Da kann wirklich jeder ein Instrument
lernen.
Und dann in den Dörfern auch.
[Sabrina]
Warum ist es bei dir das Cello geworden? Warum hast du nicht ein
Blasinstrument?
[Jaka Stadler]
Weil an unserer Musikschule gab es nur Klavier, Cello und Geige. Klavier hatten wir
zu Hause nicht. Geige hat meine Schwester angefangen.
Dann blieb nur noch Cello.
[Sabrina]
Dann nehme ich das halt und gelte sieben oder acht Jahre später als
Ausnahmetalent. Ich meine, irgendwie ist dann ja doch die Liebe dazu
entstanden.
[Jaka Stadler]
Ja, doch. Gut, meine Eltern, also mein Vater ist Musiker. Der hat uns auch schon
unterstützt und mit uns viel gemacht.
Mit mir und meiner Schwester.
[Sabrina]
Was ist das Schönste am Cello?
[Jaka Stadler]
Ich finde, das Repertoire ist einfach sehr schön. Nicht so viel wie bei der Geige
oder dem Klavier, aber recht. Man kann leben, wenn man will.
Man könnte alles irgendwie spielen. Und ja, das Klang, die Klangfarbe, das finde
ich schon. Auch in Kammermusik immer eine tiefe Stimme zu haben, das ist schön.
[Sabrina]
Wo gehst du denn hin, wenn du in Slowenien klassische Musik genießen willst?
[Jaka Stadler]
Ja, da sind oft Konzerte von meinen Freunden, Studienkollegen von früher. Aber
sonst Slowenische Harmonie in Ljubljana, da gehe ich öfters. Oder dann eben
Ljubljana Festival.
Da kommt dann Gastorchester, alle großen Orchester kommen fast dahin. Ja, das
ist so. Eigentlich ist das sehr zentriert in Ljubljana alles.
Und Maribor hat auch einen großen Festival.
[Sabrina]
Also für alle, die klassische Musik in Slowenien erleben wollen, würdest du
sagen, sind das die Adressen? Ljubljana und Maribor und dann Ljubljana
Festival.
[Jaka Stadler]
Ja.
[Sabrina]
Jetzt haben dich ja Sonatenabende durch ganz Europa und durch die USA
geführt. Du warst auch in Katar, in Doha beim Katar Philharmonic Orchestra als
erster Solo-Cellist. Gibt es da was, wenn du bei solchen Auslandsaufenthalten
bist, was dir fehlt, was es nur in Slowenien gibt?
[Jaka Stadler]
Ja, in Katar war ich zwei Jahre und da hat mir schon das alles gefehlt. Da war
sogar Deutschland für mich wie eine Heimat. Aus katarischer Sicht gibt es auch
keine Unterschiede zwischen Slowenien und Deutschland.
Das war sehr ähnlich. Aber ja, eben diese Natur, also auch diese Freiheit, das hat
man da nicht. Dass man einfach rausgeht, man kann sich irgendwo hinsetzen, was
trinken und dann weitergehen.
[Sabrina]
So ein bisschen Lebensgefühl auch.
[Jaka Stadler]
Ja. Aber vor allem Natur, das Grüne. Da hat man einfach nichts Grünes gesehen.
[Sabrina]
Ja, es ist viel Wüste, viel Beton.
[Jaka Stadler]
Das ist nur Wüste, ja.
[Sabrina]
Also keine sprudelnde Soja und Wälder, die Schatten und Ruhe spenden. Das
ist dann wahrscheinlich das, wonach man sich sehnt. Das kann ich mir gut
vorstellen, ja.
Hat das dann auch so ein bisschen den Blick auf die Lebensqualität verändert,
wie man hier hat? Du sagst jetzt, für dich gibt es gar nicht so einen großen
Unterschied zwischen Bayern und Slowenien. Aber würdest du sagen, das hat
dir erstmal noch so bewusst gemacht, dass wir hier eine ganz andere
Lebensqualität haben?
[Jaka Stadler]
Ja, auf jeden Fall. Ja, in Katar, natürlich war das eine schöne Zeit, auch eine super
Erfahrung im Leben. Ich war jung, noch mit 25 dahin.
Für zwei Jahre, das war ein bisschen jugendorchestermäßig. Alle waren jung, alle
haben Probespiel damals gewonnen. Aber natürlich, dann sieht man aus einer
anderen Perspektive, was wir hier haben.
Auch wie diese Freiheit nicht selbstverständlich ist. Die wir hier genießen, auch
Meinungsfreiheit oder allgemeine. Und Natur sowieso.
[Sabrina]
Gibt es ein Stück Natur in Slowenien, was dich am meisten anzieht?
[Jaka Stadler]
Ja, auf einer Seite diese Berge, die sind jetzt nicht so hoch, aber die sehen sehr
alpine aus. Das ist sehr interessant an den Bergen. Die sehen aus, als wären die
über 3000 Meter hoch, aber sie sind gar nicht.
Also diese Berge sind auf jeden Fall, das mag ich schon seit meiner Kindheit. Aber
dann auch da, wo meine Frau herkommt, an der Körka. Ich radle ja gerne und das
sind so Wälder, da kann man stundenlang wirklich alleine.
Kočevski Rog heißt es. Das ist so ein Gebiet, auch ziemlich hoch, kommt auf 1000
Meter. Da kann man super radeln oder Körka entlang radeln.
Ja, das sind schon so zwei Sachen.
[Sabrina]
Und der Urlaub mit Kindern ist ja dann auch nochmal eine andere Geschichte.
Was habt ihr da, außer das familiäre, ausgewählt, was euren Kids gut gefällt?
An Orten?
[Jaka Stadler]
Ja, wir waren auch, wenn wir nicht zu Hause waren, immer dann wandern,
natürlich in den Alpen. Aber so Prekmurje, das ist dann die komplett andere. Das
ist jetzt mit Kindern zum Radeln zum Beispiel ideal, weil die haben super Radwege,
es ist flach.
Es gibt viele Ternen, die natürlich in Slowenien noch viel günstiger sind als hier
zum Beispiel.
[Sabrina]
Es ist ja so, dass Slowenien auch als erstklassige Kulinarik und Weindestination
gilt. Gibt es da was, was du deinen deutschen Kollegen, Freunden gerne
servierst, was du aus der Heimat mitbringst?
[Jaka Stadler]
Ja, es gibt viele Kollegen, die mich so fragen, wo soll ich hin. Natürlich, wir haben
auch ein paar Weinliebhaber. Natürlich ist die erste Adresse vielleicht Gorizka
Börda, das ist an der Grenze zu Italien, bei Nova Gorizia.
Das sind natürlich Spitzenweine, das ist jetzt preislich auch ziemlich, also das ist
auf einer Linie mit Italien oder Frankreich, was die Preise angeht. Aber natürlich
auch Steiermark, slowenische Steiermark, vielleicht preislich noch nicht so wie in
Österreich.
[Sabrina]
Hast du einen persönlichen Favorit?
[Jaka Stadler]
Ich war bei Tilia, Tilia ist aus Vipavatal, da gehe ich manchmal hin und kaufe da
direkt von ihm. Lamothe heißt er mit Nachnamen, ja. Tilia ist die Kellerei.
[Sabrina]
Und wie sind die Reaktionen der deutschen Kollegen und Freunde?
[Jaka Stadler]
Ja, die kommen immer ganz begeistert. Manchmal frage ich mich, sind die
begeistert, nur weil sie nett zu mir sind. Aber nett, ich glaube, die sind schon dann,
die sagen dann, die müssen unbedingt nochmal hin.
[Sabrina]
Welche Spezialitäten gibt es, die man unbedingt probieren sollte aus
Slowenien? Gibt es das, was du immer zu Hause hast hier in München, im
Kühlschrank oder im Regal, was aus Slowenien kommt, wo du sagst, das sind
auch so Spezialitäten, die kann man nicht nicht haben?
[Jaka Stadler]
Gut, meine Frau kommt von Bauernhof und wir kriegen da eben Fleisch, auch Eier
und so, aber das sind jetzt keine Spezialitäten. Aber das bekommen wir von zu
Hause, Marmeladen. Es gibt schon verschiedene Regionen, es ist schon wieder da
in Prekmurje, das ist im ganzen Osten, die haben schon eigene, natürlich ganz
eigenes.
[Sabrina]
Da haben wir mal den Schinken probiert.
[Jaka Stadler]
Es gibt diese autochtonen Schweinerassen, die hat man in unserer Familie auch,
also von meinem Schwager, Bruder oder so, der züchtet diese, es heißt
Krškopolci, das sind die autochtonen slowenischen Schweinerassen. Ja, das
schmeckt schon sehr gut, aber das ist natürlich, das zu bekommen, ich kenne jetzt
keine Adresse, wo man sagt, da muss man hin und dann kriegt man das.
[Sabrina]
Das kriegt man nur über Beziehungen. Der Schwager vom Bruder vom
Nachbarn. Aber gut, Slowenen sind ja sehr offen und sehr gastfreundlich, das
heißt, es könnte ja schon passieren, dass man auch, wenn man als deutscher
Tourist mit den richtigen Leuten ins Gespräch kommt, dann auch irgendwie mal
da was, ich sag jetzt mal, abgreifen könnte.
[Jaka Stadler]
Ja, auf jeden Fall, wahrscheinlich. Sicherlich, ja.
[Sabrina]
Was meinst du, wo man wirklich authentische slowenische Gastfreundschaft
am intensivsten erlebt?
[Jaka Stadler]
Meinen Sie, in welcher Region?
[Sabrina]
Ja.
[Jaka Stadler]
Ja, schwierig zu sagen. Vielleicht auch Steiermark, weil da Leute auch so deutsch
sprechen, also eher deutsch sprechen als im Süden oder im Südosten, wo ich das
kenne. Und da an der italienischen Grenze eher italienisch, alle in der Schule auch
lernen.
[Sabrina]
Da ist ja nicht die Sprachbarriere da.
[Jaka Stadler]
Genau. Da hat man es vielleicht ein bisschen leichter. Weil die Leute in Steiermark
eher das Gefühl haben, man ist so, weil die Leute dann die Sprache, also viele
deutsch sprechen.
[Sabrina]
Das macht es natürlich für, ich sag jetzt mal, für uns deutsche Touristen
einfacher. Das ist richtig. Grundsätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, egal
ob mit Hand und Fuß oder mit Englisch.
[Jaka Stadler]
Ja, mit Englisch kommt man weiter.
[Sabrina]
Man hat auf jeden Fall immer offene Ohren und Herzen, denen man
entgegenkommt.
[Jaka Stadler]
Ja, aber ich glaube so von Gastfreundschaft gibt es in der Region keine
Unterschiede. Das ist schon alles überall ähnlich. Das ganze Land ist offenherzig.
[Sabrina]
Wenn du jetzt für Freunde ein dreitägiges Kultur- und Naturwochenendpaket
zusammenstellen müsstest, die Slowenien noch nie besucht haben, was müsste
da definitiv mit drin sein in diesem Wochenendpaket?
[Jaka Stadler]
Ich glaube, ja, dadurch, dass es ein sehr kleines Land ist, empfehle ich dann jedem
an die Küste zu gehen. Piran ist eine wunderschöne Stadt mit Tartini, Platz. Dann
Ljubljana muss man auch sehen, aber das geht alles sehr schnell, weil das ist klein.
Und dann ein Bochinsee, das ist noch sehr raue Natur und so. Ja, die drei Punkte,
die schafft man in zwei Tagen.
[Sabrina]
Und wenn wir jetzt Kultur mit einbeziehen wollen noch?
[Jaka Stadler]
Eben, das kriegt man in Ljubljana. Auch Bochin hat jetzt, Piran gibt es im Festival,
im Sommer, ich glaube den ganzen Sommer sogar, Konzerte. In Krzewnicka Kirche,
das ist so ein altes Kloster.
[Sabrina]
Ein altes Kloster?
[Jaka Stadler]
Ein altes Kloster, und da gibt es Konzerte. In Ljubljana gibt es sowieso viel zu
entdecken. Und dann Natur, Bled, Bohinj, das sind schon so Adressen.
Und wenn man ein bisschen mehr Zeit hat, dann kann man noch Richtung Maribor
fahren.
[Sabrina]
Bled kennen ja die meisten, deswegen finde ich es schön, dass du auch Bochin
erwähnst.
[Jaka Stadler]
Ich empfehle jedem dann eher nach Bochin zu gehen, weil Bled ist ja sehr
bekannt. In diesem Insel ist das wunderschön, aber jetzt alleine, wenn man Natur
interessiert ist, ist vielleicht Bochin noch interessanter, und dann kann man super
Wanderungen auch Richtung Triglav machen.
[Sabrina]
Wenn du eine riesengroße Werbetafel hättest, auf die acht Wörter drauf sollten,
die Slowenien perfekt beschreiben, welche acht Wörter müssten da drauf?
[Jaka Stadler]
Boah, das ist schwierig mit acht Wörtern. Aber was ich immer als großen Vorteil
von Slowenien sehe, ist diese Entfernung, die ist gar nicht weit. Da wundert sich
jeder, wenn ich sage, dass ich vier Stunden von München nach Ljubljana brauche
mit dem Auto.
Im Sommer ist es wahrscheinlich mit dem Verkehr ein bisschen anders, aber
grundsätzlich ist halt diese Nähe von Slowenien, ich glaube, das ist das erste
Argument, warum man hinmuss. Und doch, die ganze Kultur und Landschaft, man
hat dann in fünf Stunden bis zur Küste so viele verschiedene Landschaften
gesehen, und ich glaube, das ist ja das Interessante, man muss nicht weit fliegen
oder fahren, und schon ist man in einem komplett anderen Land, Sprache, Kultur.
[Sabrina]
Und ja auch so ein abwechslungsreiches Land. Das heißt, wir haben die Nähe,
vor allem zu Süddeutschland, die sehr praktisch einfach ist, dann das kleine
Land an sich, das innerhalb des Landes ja viel bietet, dann würde ich sagen
Kulinarik auf jeden Fall.
[Jaka Stadler]
Wetter ist auch in diesen Wechselmonaten, oder was heißt Wechsel, diese
Übergangsmonate in Frühling oder in Herbst, ich vergleiche das immer über
meine Wetter-App, da sind immer so drei, vier Grad wärmer als hier. Und das
macht, ich meine Sommer ist auch heiß, und hier ist es auch, und Winter ist
genauso kalt, aber irgendwie dieser Übergang.
[Sabrina]
Hast du eine Lieblingsjahreszeit, in der du gehst?
[Jaka Stadler]
Sommer finde ich schon.
[Sabrina]
Nähe, Abwechslung, Wetter, Kulinarik und das Ganze hoch zwei.
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